Aus Anni Lang wird Langani mit der schwarzen Perle

Der Schriftsteller ond Achtevierzger Hermann Kurz (1813–1873) aus dere berühmte Glockegießerdynastie ond nadierlich au dem sei Mädle, dui Dichterin Isolde Kurz (1853–1944), zählet zu ihrer nähere Verwandtschaft. Ond der Cheflektor von dr Deutsche Verlags- Anstalt ond onter anderem Verfasser von dere sauwitzige „Fuierwehr vo Plattahardt“, Martin Lang (1883–1955), isch ihr Lieblingsonkel gwä. Ond ihr Vatter, der Maler, Zeichner, Möbel- ond Textildisainer ond Professer an dr hiesige Kunstgewerbeschuel, dr Paul Lang-Kurz (1877–1937) hat a Schweizer Mädle aus Winterthur gheiratet, dui Minna Kurz (1877–1960). Dui hat bei dere Weltfirma Bleyle die weltberühmte Bleyleskloider entworfe ond oineweg vier Mädle uff d Welt bracht. Ond de Jöngst drvo, ihr Anni, isch am 10. Dezember 1911 en Stuegert en dr Ehrehalde direkt nebem schönste Bahnhofsbaumeister Paul Bonatz (1877–1956) seim Haus uff d’Welt komme.

Ond isch no uffs Hölderlin-Gymnasium gange ond hat no en Wien bei dene renommierte Professer Josef Hoffmann ond der später nach Amerika emigrierte Emmy Zweybrück-Prohaska Textilentwurf studiert. Ond dort an der schönen blauen Donau hat se au ihren Ma kenneglernt, den Rudolf Schaad (1901–1990).
Dem seine Altvordere send – wie übrigens ja au dui Ahnfrau von der grad verstorbene Stalin-Tochter Swetlana – aus Wirteberg nach Südrussland ausgwandert. Ond er isch als Filmschnittmeister (schwäbisch-englisch: Cutter) bei dr Ufa en Berlin ond bei dr Wienfilm daselbst einer der Pioniere dieses Handwerks gwä.
Ond no hat dr Krieg die zwoi mit ihre mittlerweil zwoi Mädle von dr Donau an de Blautopf nach Blaubeure verschlage. Ond dort hend se des Dreimäderlhaus komplett gmacht. Ond dort hat sui Tischdecke für die Laichinger Leineweber entworfe, bis se no anno 51 uff Stuegert zoge send. Ond dort ischno au no a Bueb drzuekomme. Ond dass se den Haufe hongrige Mäuler stopfe ka, hat se sich jetz en dr Not uff Schmuck verlegt, ond mit a paar selber fabrizierte Brosche em Henkelkorb isch se uff dui Frankfurter Messe gfahre ond hat dort uff ihrem oinquadratmetergroße Stand ihr Sach abotte: Sträußchen aus Glasperlen, Pailletten und mundgeblasene, parfümgefüllte Glasvögelchen. Ond die Ami send ganz verrückt druff gwä, ond se hat en Großufftrag kriegt von re transatlantische Kaufhauskette. Ond jetz hat se nadierlich en zugkräftige Firmename braucht für ihr Manufaktur, ond se hat ganz oifach ihren Mädlesname omdreht en Langani, des klengt doch tatsächlich so vornehm ond international wie beispielsweis Armani oder Bulgari oder so.
Ond ihr ganze Familie hat mitgholfe, samt Nichte aus Bayern ond Neffe aus Kanada, bei Herstellung, Verpackung ond Versand. Bald aber hat se viele Leut Ärbet ond Brot gebe könne, dene aus dem Oste heimatvertriebene Fliechtleng, dene Glasbläser ond Perlewickler en Neugablonz ond Schwäbisch Gmünd. Ond als Schutz vor dene viele Kopierer ond Plagiatnachmacher hat se – wie dui Margarete Steiff mit ihrem Knopf em Ohr – des Markezeiche mit der schwarzen Perle eigführt. Ond ihr Idee ond ihr Erfolgsgeheimnis isch gwä, nicht aus Gold, Silber und Edelsteinen teuren Schmuck zu gestalten, sondern aus weniger kostbaren Materialien Modeschmuck zu schaffen, der nur durch die Ästhetik des künstlerischen Entwurfs wertvoll ist.
Ond dass langani international so erfolgreich worde isch, verdankt dui Anni aber au dene Fotoapparat von ihre Schwestre Urs Lang-Kurz (1909–1998) ond hauptsächlich Regine Relang (1906–1989). Dui isch weltweit die bekannteste Modefotografin der 50er und 60er Jahre gwä ond hat mit ihre Bilder drfür gsorgt, dass dem kleine Schwesterle ihr schwäbischer Schmuck endene Modemetropolen Mailand, Florenz und Paris ond so no uff dr ganze Welt bekanntworde isch.
Fast bis zletzt hat se en ihrer Firma fleißig ond sechzehn Stond am Tag gschafft, ond no isch se am 20. Dezember 1988 en ihrem Haus am Killesberg gstorbe ond uff den Degerlocher Dornhaldefriedhof komme. Ihr jöngstes Mädle aber, dui Susanne Kieß-Schaad, macht jetzmitlangani en dr zwoite Generation grad so erfolgreich weiter.

Gerhard Raff (Stuttgarter Zeitung 8.12.2011)

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